Verein zur Erhaltung des Höpfigheimer Schlößles und zur Pflege der Ortsgeschichte e. V. 
 

Historische Salzlecke am Hirschweg

Vom vergessenen Waldschatz zum offiziellen Denkmal:
Die unglaubliche Geschichte einer Salzlecke im Kälblingswald


1. Einleitung: Die verborgenen Geschichten unserer Wälder
Wir alle kennen diese Waldwege, die wir schon unzählige Male gegangen sind. Wir glauben, jeden Baum, jede Biegung zu kennen. Doch was, wenn selbst die vertrautesten Wälder noch unentdeckte Geheimnisse bergen – Geschichten, die nur darauf warten, wieder ans Licht gebracht zu werden? Wie kann aus einem einfachen Waldspaziergang eine historische Entdeckung werden, die ein Stück lokaler Geschichte für immer bewahrt? Dieser Beitrag erzählt die überraschende Geschichte genau solch einer Entdeckung im Höpfigheimer Kälblingswald, die zeigt, wie das Wissen eines Einzelnen, die Initiative eines Gastes und ein Spatenstich im richtigen Moment ein vergessenes Erbe wiederbeleben können.

2. Ein Waldgeheimnis, enthüllt durch einen Kenner
Alles begann im Frühjahr 2018. Herrmann Ringle, Gründungsmitglied des örtlichen Heimatvereins und ein Mann, der den Kälblingswald wie seine Westentasche kennt, lud zu einem Spaziergang ein. Sein Wissen war kein angelerntes, sondern eines, das über Jahrzehnte gewachsen war – seit seiner Kindheit, als er mit seinem Vater durch diese Wälder streifte, und später über Jahrzehnte an der Seite des Jagdaufsehers Kogel.
Auf diesem Spaziergang teilte er die tiefen Geheimnisse des Waldes: Er zeigte die Keltengräber, die einzigen Blutbuchen und Tannen des Waldes, das Grab von Jakob Friederle – und erzählte die dazugehörige Geschichte –, erklärte etwas zum Kleinbiotop Seele und wies auf mystisch zusammengewachsene Buchen hin. Und dann, fast beiläufig, führte er die Gruppe zu einer versteckten Stelle am Hirschweg – zu einer von ehemals drei Salzlecken, die noch erstaunlich gut erhalten war. Dieser Moment war entscheidend, denn er bewies, wie unschätzbar wertvoll mündlich überliefertes, lokales Wissen für die Entdeckung unseres Kulturerbes ist. Ohne Herrmann Ringle wäre dieses Geheimnis vielleicht für immer im Waldboden verborgen geblieben.

3. Der Blick von außen, der den Wandel anstieß
Jahre vergingen, und der Verein entwickelte aus diesen Waldgeheimnissen eine beliebte Führung. Im Jahr 2022 nahm Markus Pantle aus Großbottwar als Gast an einer dieser Touren teil. Wo andere nur einen interessanten historischen Ort sahen, erkannte er eine Chance. Er war es, der dem Verein den entscheidenden Vorschlag machte: Man sollte die Salzlecke offiziell als Kleindenkmal eintragen lassen.
Dieser Impuls war ein Wendepunkt. Die Initiative kam nicht von einer Behörde oder einem Amt, sondern von einem aufmerksamen und engagierten Bürger. Es ist ein perfektes Beispiel für die Kraft des bürgerschaftlichen Engagements und zeigt, wie eine einzelne Person eine Bewegung zur Erhaltung des Kulturerbes auslösen kann.

4. Der Beweis lag direkt unter der Oberfläche
Auf den Vorschlag folgten Taten. Im Sommer 2022 machten sich Albrecht Leize vom Verein und Markus Pantle daran, die Salzlecke genauer zu untersuchen. Sie legten die quadratische Einfassung teilweise frei, vermaßen und fotografierten sie. Der entscheidende Moment kam, als sie begannen, in der Mitte etwa die Hälfte der Fläche auszuheben. Sie gruben vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter, bis ihr Werkzeug nach etwa 30 Zentimetern auf einen unerwarteten, festen Widerstand stieß. Es war kein gewöhnlicher Stein – es war eine Sandsteinplatte, der handfeste Beweis, auf den sie gehofft hatten.
Der Fund bestätigte, dass es sich um eine authentische Salzlecke aus dem 18. Jahrhundert handelte, angelegt während der Regentschaft von Herzog Carl Eugen 1737-1793. Das Rätsel war gelöst, der historische Wert unbestreitbar.

5. Vom Antrag zum Denkmal in nur drei Monaten
Mit diesem unumstößlichen Beweis in der Hand begann der nächste entscheidende Schritt. Markus Pantle übernahm die Aufgabe, das lokale Wissen und den archäologischen Fund in die formale Sprache der Bürokratie zu übersetzen. Er erstellte eine fachmännische Dokumentation und reichte den offiziellen Antrag auf Anerkennung als Kleindenkmal beim Denkmalamt ein. Sowohl der zuständige Förster als auch die Stadt Steinheim wurden über das Vorhaben unterrichtet.
Was dann geschah, war eine positive Überraschung für alle Beteiligten. Während solche Prozesse oft langwierig sein können, erging der positive Bescheid bereits nach drei Monaten. Die Salzlecke war offiziell als Kulturkleindenkmal eingetragen. Ein bemerkenswerter und schneller Erfolg für eine Initiative, die mit einem einfachen Waldspaziergang begonnen hatte.

6. Mehr als nur ein Schild: Ein Stück Geschichte für alle sichtbar gemacht
Mit der offiziellen Anerkennung war die Arbeit jedoch nicht getan. Der Verein beschloss, dieses wiederentdeckte Juwel für alle sichtbar und verständlich zu machen. Die Idee, die Salzlecke mit einem großen Eichenschild zu kennzeichnen, wurde einstimmig befürwortet.
Der Verein holte Angebote von Schreinereien ein und beauftragte kurz darauf die Anfertigung. Nachdem die Anerkennung offiziell war, gab der Verein im darauffolgenden Frühsommer das Eichenschild in Auftrag. In enger Zusammenarbeit mit Förster Weiß wurde der perfekte Standort festgelegt. Das Forstamt unterstützte das Projekt großzügig und stellte Pfähle und Bretter für die Befestigung sowie für ein kleines Regenschutzdach zur Verfügung. Ende Oktober war es dann so weit: Die beiden Vorstände des Vereins, Albrecht Leize und Hans Hübner, montierten das fertige Holzschild am Hirschweg. Seitdem weist es Wanderer und Geschichtsinteressierte auf dieses besondere Kleindenkmal hin.

7. Fazit: Welche Geschichte wartet auf Sie?
Die Reise der Salzlecke im Kälblingswald – von einem fast vergessenen Ort, dessen Existenz nur im Gedächtnis eines Kenners lebendig war, bis hin zu einem offiziell gewürdigten Kleindenkmal – ist eine inspirierende Geschichte. Sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn verschiedene Kräfte zusammenwirken: die mündliche Überlieferung eines Wissenden wie Herrmann Ringle, die bürgerschaftliche Initiative von Markus Pantle, die tatkräftige Umsetzung durch Vereinsmitglieder wie Albrecht Leize und Hans Hübner und die institutionelle Unterstützung durch Förster und Forstamt.
Diese Geschichte wirft eine Frage auf, die uns alle betrifft: Welche verborgenen Schätze und vergessenen Geschichten warten wohl in Ihrer unmittelbaren Umgebung darauf, wiederentdeckt zu werden?


Weitere Hintergrundinformationen:

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Hr. Markus Pantle aus seiner Veröffentlichung:


Historische Salzlecke am Hirschweg im Kälblingswald, Gemarkung Höpfigheim, Gemeinde Steinheim an der Murr


Die Initiative zur Erkundung der Salzlecke entstand durch eine Waldführung von Albrecht Leize, bei der Hermann Ringle, ein Kenner des Höpfigheimer Waldes, auf die mit Sandsteinen eingefasste Grube hinwies, die als die einzig erhaltene von angeblich drei Salzlecken gilt.
Um die Sache näher einordnen zu können, haben sich Albrecht Leize und Markus Pantle dann das Ziel gesetzt den Befund näher zu untersuchen und zu dokumentieren.
Die Salzlecke befindet sich im südlichen Bereich des Kälblingswaldes, etwa 400 m östlich vom Waldrand bei den Riedern-Weinbergen und 15,5 m nördlich des Hirschweges an einer heutigen Rückegasse.
Die Untersuchung ergab eine rechteckige, mit Sandstein eingefasste Grube von 110 cm x 110 cm Außenmaß, wobei der obere Grubeninhalt aus humosem Material und darunter aus gelblichem Lehm bestand. "Während der Grabung konnten immer wieder weiße Strukturen beobachtet werden," was auf die Verwendung von Salz hindeutet. Die Einfassungsplatten sind unterschiedlich hoch (35-45 cm) und weisen Bearbeitungsspuren auf, die darauf schließen lassen, dass die unteren 30 cm mit Lehmschlag verfüllt waren.
Historisch dienten Salzlecken dazu, Wildtiere mit Mineralien zu versorgen, insbesondere Natrium, und bestanden aus einem Gemenge aus Salz, Lehm und Stroh. "Jetzt konnten die Tiere durch Lecken am salzgetränktem Lehm-Stroh-Gemisch wertvolle Mineralien aufnehmen und somit ihren Mineralstoffhaushalt ausgleichen."
Die Autoren betonen, dass die Salzlecke am Hirschweg, als Kleindenkmal, durch Verlegung der Rückegasse und Anbringung einer Informationstafel zu schützen ist.
Die Informationstafel wurde im Oktober 2025 am Hirschweg von den Mitgliedern unseres Vereins angebracht.